Auf den puszta © Marianne Harborg

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaisermantel

 

 

 

 

Nachtreiher

 

 

 

 

Zemplengebirge

 

 

 

 

Hortobagy Fischteich

 

 

 

 

Aeskulapnatter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

Alle Bilder fotografiert wahrend die Reise durch Marianne Harborg

 

Kaiseradler überm Bükk-Gebirge

 

Ein Reisebericht über die Exkursion der Rheder Gruppe des NABU
nach Nordost-Ungarn
vom 28. Aug. bis 4. Sept. 2004

 

 

Samstag

Abreise und Ankunft, Bükk-Gebirge

 

Frage: Woran denkst du, spricht man von Ungarn? An Sonne, Puszta, Gulasch, Pferde, Wein. Oder, wenn man Ornie ist: An Störche, Reiher, Wiedehopf und Bienenfresser. Also alles gewichtige Argumente, sich das Angebot „Wer fährt mit auf eine Naturreise nach Nordost-Ungarn?“ nicht allzu lange zu überlegen.

An einem Samstag in aller Herrgottsfrühe ging es los. Viertel vor 4 Uhr nachts wurden wir mit dem Nabu-Kleinbus abgeholt und nach Düsseldorf zum Flughafen gebracht. Von hier aus sollte es via München nach Budapest gehen. Abflug bei Regen, aber in München war es schon heiter. Das freute uns – liegt München doch breitengradmäßig etwa auf der Höhe des Bükk-Gebirges im Nordosten Ungarns, unserem Reiseziel.

Von oben hatten wir einen schönen Blick auf die Alpen und auf die Donau, der wir von Passau bis Budapest quasi folgten. Dort angekommen (Steinschmätzer zur Begrüßung), wurden wir von Peter in einem Kleinbus abgeholt. Peter begleitete uns von da an als Fahrer die ganze Woche. Nach 2 Stunden Autofahrt erreichten wir gegen Mittag unser Ziel: die Farm Lator, am östlichen Rand des Bückgebirges, benannt nach dem gleichnamigen Örtchen Lator (die nächstgrößeren Orte sind Eger und Miscolcz).

Wir wurden herzlich begrüßt von einem erkälteten Rob de Jong (denn das Wetter in der Woche davor war kalt und nass gewesen) und seiner Frau Barbara Borostyanköi. Rob ist gebürtiger Niederländer und diplomierter Biologe, spezialisiert auf Tag- und Nachtfalter und Vögel, und Hauptbegleiter bei den Exkursionen. Seine Frau ist eine ungarische Künstlerin. Sie betreut den Ferienkomplex.

Gleich wurden wir zu Kaffe und Tee mit Gebäck unterm Walnussbaum eingeladen. Aber vorher galt es noch die vielen Kaisermäntel zu bestaunen, die auf einem Gartenstrauch saßen, und schon die erste Bestimmungsübung zu absolvieren nach dem Motto: wie heißt der große Falter, der so schön blau gefärbt ist? Mit Robs Hilfe und einem Bestimmungsbuch konnten wir ihn als „Großen Waldportier“ identifizieren. Rob spricht gut Deutsch, kennt aber natürlich nicht alle deutschen Schmetterlingsnamen; das Bestimmungsbuch war also hilfreich zur Übersetzung.

Nachdem wir uns, den großen Garten mit Fliegen fangendem Grauschnäpper im Blick, gestärkt hatten, zeigte uns Rob unsere Unterkünfte. Wir waren in zwei verschiedenen Gebäuden in sehr gemütlich eingerichteten Zimmern untergebracht. Obwohl ziemlich müde von der Reise, unternahmen wir doch noch am selben Nachmittag unsere erste kleine Exkursion in die Umgebung.

Unmittelbar neben der Farm Lator beginnt der Nationalpark „Bükk-Gebirge“. Wir folgten einem Wanderweg und sahen unglaublich viele Libellen und Falter und tatsächlich auch schon bald unsere ersten Kaiseradler, hoch oben kreisend überm Bückgebirge.

Der Kaiseradler ist gut an seinem cremefarbenen Kopf zu erkennen, der fast ein bisschen golden aussieht. Er ist beinahe so groß wie ein Seeadler, hat aber schmalere Flügel. Er ernährt sich überwiegend von Zieseln, Hamstern und anderen Kleinsäugern. In ganz Ungarn gibt es noch - oder besser gesagt, wieder- 48 Paare.

Danach erwartete uns das Abendessen mit einer ausgezeichneten Küche, die uns die ganze Woche immer wieder erfreuen sollte.

Der erste Tag endete mit einer Lagebesprechung und Planung für die nächsten Tage, gemütlich bei einem Gläschen Wein (bor) oder sor (schör), wie das Bier auf Ungarisch heißt.

 

Sonntag

Bükk-Wanderung und Saly-Fischteiche

 

Nach einem üppigen Frühstück haben wir zusammen mit Rob eine Wanderung in den Bükk-Nationalpark unternommen. Er ist ein Wald-Nationalpark, in dem die namensgebende Buche = Bükk dominiert. Der größte Teil des 42 000 ha großen Bükk besteht aus Kalkstein.

Der Einstieg für unsere Wanderung begann anfangs sehr steil. Durch einen kleinen Akazienwald, gefolgt von Eichen-Buchenwald, gelangten wir dann auf eine trockene, offene Hochfläche mit großer Blütenpracht. Danach nur noch etwas hügelig, ging es mehr oder weniger querfeldein. Für die insgesamt 8 km haben wir bis beinahe nachmittags gebraucht. Aber es gab auch so viel zu sehen! Unglaublich viele Schmetterlinge (4 Wochen früher sollen es noch sehr viel mehr sein), u.a. großer und kleiner Perlmuttfalter, blauer Eichenzipfelfalter, Landkärtchen, Schwalbenschwanz, den großen Waldportier und tausende –wirklich! - Kaisermäntel . Rob hat ab und zu einen Falter mit einem Schmetterlingsnetz gefangen und genauer erklärt.

Ein besonderes Ereignis war die Aeskulapnatter, die plötzlich auf dem Weg auftauchte und blitzschnell verschwand – ein Foto ist mir dennoch gelungen. Äskulapnattern mögen Wärme und lieben ausgiebige Sonnenbäder. Entsprechend bevorzugen sie trockenes, überwiegend sonniges Gelände. Offensichtlich hatten wir diese beim Sonnenbaden aufgeschreckt, denn sie nahm zunächst eine drohend-aufgerichtete Haltung an, bevor sie im Gras verschwand. Aeskulapnattern sind aber ungiftig. Sie werden 150-180 cm lang. Sie ernähren sich von Kleinsäugern, aber auch von Jungvögeln und Vogeleiern, denn durch ihre gekielten Bauchschuppen können sie sehr gut klettern. Die Beutetiere werden erdrosselt und mit dem Kopf voran verschlungen.

Ein weiteres Highlight war wenig später ein Blutspecht, auf den wir einen kurzen Blick erhaschen konnten.

Nachmittags fuhren wir mit dem Kleinbus zu den Fischteichen kurz hinter Saly, dem nächst größeren Örtchen. Direkt vom kleinen Landsträßchen aus konnten wir u.a. Braun- und Schwarzkehlchen, Neuntöter, Pirole und einen sonderbar rufenden jungen Kuckuck beobachten.

Hier ein kleiner Eindruck von der Küche des Hauses: Zum Abendessen gab es eine Gemüsesuppe (natürlich mit Gemüse aus dem Hausgarten), Putengulasch mit Pilzen (von Zigeunern gesammelt), Reis und Melone zum Nachtisch. Es gehört übrigens zur erklärten Philosophie von Farm Lator, die heimische Bevölkerung in jeder möglichen Weise mit einzubeziehen, sei es als Personal für die Bewirtschaftung des Anwesens oder für Führungen und natürlich für den Bezug von Nahrungsmitteln.

Bei einem Glas Wein oder einem Bierchen machten wir dann – wie demnächst jeden Abend- unsere „Hausaufgaben“: Jeder von uns hatte von Rob einen Bogen mit den heimischen Vogelarten bekommen, auf dem man täglich die gesehenen Arten ankreuzen konnte. Ich hatte für mich persönlich am Ende 14 neue Arten, und dass, obwohl ich doch schon einige Vogelexkursionen in den letzten Jahren mitgemacht habe.

 

Montag

Kleine Hortobágy

 

Heute stand eine Exkursion in die „Kleine Hortobágy“ auf dem Programm. Um bestimmte Teile des Schutzgebietes betreten zu dürfen, brauchten wir einen offiziellen Begleiter: Der stieg uns zu in Mezökeresztes (das heißt „Land im Kreis), einem etwas größeren Ort und so eine Art Verkehrsknotenpunkt, den wir in den folgenden Tagen noch öfter durchfahren sollten. Hier bekamen wir immer einen kleinen Eindruck vom Alltag und der Lebensweise der ungarischen Bevölkerung.

Unser Begleiter hieß Janosz. Er führte uns zunächst von Westen her in das Gebiet. Je weiter wir in das Gelände fuhren, desto deutlicher wurde, was Rob uns schon bei der Ankunft gesagt hatte: Das Wetter war in den vergangenen Wochen schlecht gewesen. Dort, wo sonst um diese Jahreszeit trockene Steppe gewesen wäre, dehnten sich jetzt schlammige Flächen. Peter hat aber diese fahrerischen Herausforderungen sozusagen „mit Anlauf“ bravourös gemeistert.

Auf dem Hinweg hatten wir schon zwei Kaiseradler und viele Rohr- und Weisenweihen gesehen. Im Gebiet selbst konnten wir dank Robs Erfahrung bald zwei Würgfalken und zwei Schwarzstirnwürger beobachten, sahen die ersten Blauracken von Ferne und hörten einen Wachtelkönig.

Nach einer kleinen mittäglichen Kaffeepause unter Schwalbennestern (in Mezöszag) wollten wir noch einmal von Osten her in das Gebiet fahren. Vor der Abfahrt wurden wir aber noch ein wenig aufgehalten durch einen Schwarm Bienenfresser, der sich in der Nähe herumtrieb und uns von Ferne das bunte Gefieder zeigte. Blauracken sahen wir an dem Tag noch einige und jetzt auch recht schön nah auf Leitungsdrähten. Die Blauracken sind eine sehr stark vom Aussterben bedrohte Art. Im nordöstlichen Ungarn konnten wir so viele davon sehen, weil es dort besondere Schutzmaßnahmen dafür gibt. Unter anderem werden Nisthilfen aufgehängt – in dem Gebiet hier allein 80 Stück - , die erfreulicher Weise auch sehr gut angenommen werden.

Schließlich fuhren wir in den Südwesten des Gebietes zu einem kleinen Flachwassersee. Hier verbrachten wir mehrere Stunden; und hier erwartete mich meine 5. neue Vogelart des Tages: an einem Graben konnten wir lange und ausgiebig eine Große Rohrdommel beobachten. Weiter Highlights waren Weißbartseeschwalben (für mich auch neu), Löffler, Silberreiher und ein Rothalstaucher. Vor der Weiterfahrt hörten wir noch an einem Graben, wo Peter mit dem Auto auf uns wartete, einige Rotbauchunken rufen, fanden einen Laubfrosch und konnten eine Gottesanbeterin bewundern.

 

Dienstag

Zemplen-Hügelland = Zemplei-hegisèg

 

Das Zemplen-Hügelland liegt hoch im Nordwesten Ungarns. Bei herrlichem Wetter erreichten wir den ersten größeren Hügel im Westen des Schutzgebietes und wanderten hinauf. An diesem Tag war uns das Orni-Glück nicht so hold: Außer zwei Kaiseradlern sahen wir keine Besonderheiten, wohl wieder eine Gottesanbeterin und wunderbar blühende Bergwiesen. Nachdem wir am zweiten Halt noch weniger Glück hatten, hielten wir hier im Örtchen „Fony“ erst einmal Rast. Rob war ein wenig enttäuscht. Er hatte gehofft, uns noch weitere Adler zeigen zu können, denn das Zemplengebirge ist berühmt für seine Greifvögel. Außer Kaiseradler und Würgfalke brüten hier Steinadler, Schreiadler und Zwergadler. Aber auch bei unserem dritten Halt ließen sich keine blicken. Dennoch war die Wanderung ein Erlebnis. Bei inzwischen etwas eingetrübtem Wetter durchwanderten wir blühende Hochwiesenfluren mit großer Artenvielfalt, u. a. mit Lungenenzian und Feldrittersporn. In einer Pfütze entdeckten wir junge Gelbbauchunken und kurz darauf kreuzte noch ein stattliches Exemplar einer Wechselkröte unseren Weg.

Schließlich fuhren wir weiter Richtung Norden und immer tiefer in das Gebirge hinein. Während wir uns bisher immer am Westrand entlang bewegt hatten, bekamen wir jetzt einen Eindruck vom eigentlichen Zemplengebirge. Es ist durch vulkanische Tätigkeiten entstanden. Wie riesige Maulwurfshügel reihen sich die Berge aneinander. Sie sind zwischen 600 und bis knapp 800 Metern hoch, meist stark bewaldet und wenig erschlossen.

Auf dem Heimweg bekamen wir dann doch noch unseren ersten Storch (zwei) und einen fliegenden Schwarzstorch zu sehen.

 

Mittwoch

Große Hortobágy

 

Heute hieß es: früh aufstehen! Frühstück schon um 7:30 Uhr! Andrasz wartete schon auf uns. Er war aus Budapest angereist und sollte heute Rob ersetzen. Er ist ausgebildeter Nationalparkführer und leitet normalerweise von Budapest aus Exkursionen in verschiedene Schutzgebiete. Heute sollte er uns in die große Hortobágy führen und nach Möglichkeit Mornellregenpfeifer zeigen. Er sprach nur Englisch, wenn auch sehr gut, aber das machte die Verständigung manchmal etwas schwieriger. Mit Hilfe unserer Bestimmungsbücher kamen wir aber immer zurecht.

Der Nationalpark „Hortobágy“ liegt von Farm Lator aus gesehen südwestlich. Um dorthin zu kommen, mussten wir die Theiß – auf Ungarisch „Tisza“, überqueren, was wir mit Hilfe einer Fähre in der Nähe von Tiszaszége taten. Direkt eingangs des Schutzgebietes machten wir an einem Beobachtungsstand halt und bekamen einen Eindruck von dem riesigen Gebiet und den ersten Rotfußfalken zu Gesicht. Der Nationalpark ist ca. 80.000 ha groß und war früher häufig überflutetes Gebiet. Nach Entwässerungs- und Regulierungsmaßnahmen wird heute teilweise wieder kontrolliert überflutet, um die besondere Flora und Fauna zu erhalten.

Unser nächster Halt war eine schöne Puszta-Weide, ebenfalls im Norden des Gebietes. Inzwischen hatte Andracz per Handy-Kontakt in Erfahrung gebracht, dass an einer bestimmten Stelle im Osten des Gebietes Mornellregenpfeifer – sie befinden sich um diese Zeit auf dem Durchzug- gesehen worden waren. Dorthin machten wir uns dann auf den Weg.

Uns erwartete eine wunderschöne Puszta-Landschaft und direkt bei der Ankunft 8 Rotfußfalken und ein schöner fliegender Wiedehopf. Peter musste wieder einmal warten; wir dagegen wanderten los, möglichst um Ruhe bemüht, um die seltenen Vögel nicht aufzuschrecken. Aber so viel wir auch schauten – keine Regenpfeifer in Sicht.Stattdessen wurden wir beinahe von drei wütenden Hütehunden angefallen. Schließlich wanderten wir zurück und genossen die weite Landschaft. Unterwegs saß an einem Grasbüschel eine „Goldene Acht“ (östliche Art). Normaler Weise sind diese bei uns sehr seltenen Falter unglaublich schnell und bleiben selten einmal ruhig sitzen. Dieser hier schien aber erschöpft zu sein und flog nicht davon, so dass wir ihn ausgiebig betrachten konnten.

Nach zweieinhalbstündiger Wanderung waren wir wieder am Bus angelangt und es wurde Zeit, uns auf den Weg zu machen, denn im Storchendorf „Nagyvan“ an der westlichen Grenze des Nationalparks wartete Dr. Kovacs auf uns. Aber auch diesmal mussten wir unterwegs noch anhalten. Ein juveniler Schwarzstirnwürger und wenig später eine Blauracke saßen so schön nah auf einem Telefondraht- daran konnten wir nicht vorbei fahren! Das Storchendorf Nagyvan hält übrigens einen Rekord bei der Storchenaufzucht. Dort wurden in einem Horst einmal 8 Storcheneier gleichzeitig erfolgreich ausgebrütet.

Kaum angekommen, ausgestiegen, begrüßt und 300 Meter gelaufen, baute Dr. Kovacs (er ist ein Offizieller des Gebietes), sein Spektiv auf, befahl: „du gucken“ - und wir trauten unseren Augen nicht. Triele. Nein, kein Zweifel, eindeutig und in schönstem Licht saßen dort 7 Exemplare dieses seltenen Vogels. Aber Herr Kovacsz drängte; hatte nicht viel Zeit. Lenkte unseren Blick auf die über dreißig Rotfußfalken in der Umgebung, schraubte eine andere Optik auf, schwenkte das Spektiv in eine andere Richtung und sagte „Schlangenadler, 2 Kilometer weg.“ Na gut, ich habe ihm geglaubt. Er hat uns dann noch einen weiteren gezeigt, der auch weit weg, aber besser zu bestimmen war.

Dann schnell zurück zum Auto und ein Stückchen gefahren. Andrasz riet uns, uns gut zu vermummen und Mückenmittel bereitzuhalten, denn er meinte, „there are more moskitos in the air than oxygen“, also dass wir gleich mit mehr Mücken als Sauerstoff in der Luft rechnen müssten. So schlimm kam es dann aber doch nicht. In der Nähe eines zerfallenen Gehöfts bekamen wir nach kurzem Suchen 2 männliche Großtrappen präsentiert.

Weiter ging’s zu einer Blänke. Herr Kovacs hatte Recht, sich zu beeilen: der Abend zog herauf. Während die anderen die Wasservögel ins Visier nahmen (z. B. Zwerg- und Sichelstrandläufer), habe ich mich ein wenig abseits gehalten, dem Rotbauchunkenruf gelauscht und die Abendstimmung fotografiert. Wie auf Bestellung zogen plötzlich am Himmelsrand hunderte Kraniche durch; es waren sicher 500 Stück.

Inzwischen war es halb sieben geworden und Barbara und ihr Team warteten auf uns mit dem Abendessen. Peter fuhr, wir schwiegen. Völlig überwältigt von dem Gesehenen, sagte keiner mehr einen Mucks. Wir waren um 20 Uhr zurück. Es war ein langer, schöner Tag gewesen. Zum Abschluss gab es nun noch ein Drei-Gänge-Menü mit klarer Blumenkohlsuppe, Rinderbraten in Rotweinsoße und Schokopudding mit Sahne und frischen Himbeeren. Herz, was willst du mehr? Einen Schlummertrunk gab’s natürlich nachher auch noch, aber mit der Buchführung hat sich heute keiner mehr lange aufgehalten…

 

 

Donnerstag

Theiß-Stausee

 

Bei viel versprechendem Wetter starteten wir heute mit Rob die „Exkursion Theißsee “.

Dieser See ist kein natürlicher, sondern ein Stausee. Er wurde in den 70er Jahren angelegt zur Regulierung der Theiß-Hochwässer. 14 km² groß, ist er ein Paradies sowohl für Erholungssuchende als auch für Wasservögel. Der östliche Teil des Theiß-Stausees ist Naturschutzgebiet, das von der Nationalparkverwaltung Hortobágy mit betreut wird.

Wir starteten vom Städtchen Poroszlo aus mit zwei Motorbooten. Ausgedehnte Schilfinseln und freie Wasserflächen wechselten sich ab. Mal langsam, mal in rasanter Fahrt, fuhren wir durch die Schilfkanäle des Sees und über die Theiß selbst. Kaum gestartet, sahen wir schon den ersten Nachtreiher. Blässrallen stoben vor uns davon, Kormoran, Teichhuhn und Haubentaucher kreuzten immer wieder unseren Weg. Verschiedene Seeschwalben tauchten nach Nahrung, wieder ein Nachtreiher am Weg. Einmal flog ein junger Seeadler über dem Gehölz auf.

Weiter ging die herrliche Fahrt durch verwinkelte Schilfkanäle und entlang dicht bewachsener Inseln.. Die freien Flächen des Sees waren oft großflächig mit der gelb blühenden Seekanne , mit Wassernuss oder mit einem Teppich aus weißen Seerosen bedeckt. Nach drei Stunden hieß es: zurück aufs feste Land – die nächste Exkursion wartet!

Sozusagen auf dem Rückweg besuchten wir noch einmal die „kleine Hortobágy“, aber an anderer Stelle. An einem Flachwasser standen in der heißen Mittagssonne mehrere Silberreiher. Wir erkundeten noch ein wenig die Gegend und sahen einige Weihen und viele Braunkehlchen.

Eine schöne Beobachtung hatten wir dann auf dem Heimweg, als Rob wieder einmal „lavasch Peter, lavasch“, also Langsam Peter, langsam, sagte und uns dann einen Adlerbussard präsentierte.

Das beeindruckendste an diesem Tag aber war wohl für alle der Keller von Robs Nachbarn. Wir durften dort, immer zu zweit und ganz leise, hinein. Vorsicht, Kopf einziehen, dem schwachen Lichtschein von Robs Taschenlampe folgen und ganz nah etwa 70 „ Kleine Hufeisennasen “ bestaunen mit ihren Nasen, die aussehen wie kleine Schweineschnäuzchen. Ab und zu flogen ein paar auf und nach draußen zur Nahrungsaufnahme, denn es wurde allmählich dämmrig.

 

 

Freitag

Fischteiche von Hortobágy und bei Ohat

 

Heute bricht unser letzter Exkursionstag an. Wieder ist Wasser angesagt; diesmal wollen wir zu den berühmten Fischteichen von Hortobágy, der größten Fischzuchtanlage Europas und gleichzeitig Brutgebiet für alle Reiherarten Ungarns. Unterwegs sehen wir noch einmal zwei Adlerbussarde und einen mausfrühstückenden Rotfußfalken. Bei Thisafüred überqueren wir die Theiß mit einer schaufelradbetriebenen Fähre. Am ersten Halt, den wir bei anderen Fischteichen von Ohat machen, begrüßt uns direkt ein kreisender Schwarzstorch .

Für das Hortobágy-Teichgebiet brauchen wir eine Erlaubnis der Nationalparkverwaltung, die Rob besorgt, während wir ein Kaffepäuschen machen. Auch heute ist es sehr heiß. Rob kommt zurück, hat aber keine guten Nachrichten: Wir können es versuchen, aber entlang der Teiche führt eine Kleinbahnlinie zum Transport des Fischfutters. An dieser Bahnlinie wird zur Zeit gearbeitet. Es fahren große LKW durch das Gebiet, denen wir nicht ausweichen können. Wir versuchen es trotzdem und gelangen bis zum ersten Aussichtsturm, haben einen schönen Blick über die gelb blühenden Teiche und können sehr schöne einige Beutelmeisen beobachten. Dann aber ist die Mittagspause vorbei und die LKW kommen zurück. Die Arbeiter machen auch leider nicht eher Feierabend, auch wenn heute Freitag ist…

Also verlassen wir langsam das Gebiet, beobachten ausgiebig einen großen Feuerfalter bei der Eiablage und haben schließlich noch Glück, in einem abgelassenen Teich einen Rallenreiher zu entdecken.

Wir beschlossen, an die Fischteiche von morgens zurück zu fahren. Hier beobachteten wir ausgiebig zwei Bartmeisen und einige Zwergscharben im schönsten Nachmittagslicht. An einem abgelassenen, schlammigen Teich gab es dann Limikolen, u.a. viele Brachvögel , zu sehen, so weit das Auge reichte (allerdings bei „mehr Mücken in der Luft als Sauerstoff“...)

 

Dieser Tag wird mir auch noch aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben, denn seit heute bin ich Fan von Steinpilzen. Die gab es nämlich abends in einer klaren Suppe. Der ganze Raum duftete danach. Anschließend verwöhnte man uns noch mit Thymian-gewürzten Hähnchen; Beilagen: Reis, gemischtes Gemüse, eingelegte Gurken und rote Beete; zum Nachtisch Kuchen mit Kokos.

Und Schnaps. Zum Abschluss. Barbara und Peter kamen auch dazu. Unser Reiseorganisator Ralf hielt eine schöne Rede auf Englisch, denn Barbara hätte ihn sonst nicht verstanden. Sie hat sich dann auch artig bedankt und uns gelobt: „You have been the most-eater-group!“ Ist es ein Kompliment, wenn man gesagt kriegt, dass man die Gästegruppe war, die am meisten gefuttert hat? Ich denke, für die Küche auf jeden Fall! Aber es stimmt: unsere Teller waren immer leergegessen... Wir hatten dann noch einen sehr geselligen Abend.

 

 

Samstag

Abreise, Budapest

 

Heute ist der letzte Tag unseres Ungarnaufenthaltes. Wir frühstücken noch einmal schön, packen unsere Sachen und verabschieden uns schweren Herzens. Schnell noch ein Erinnerungsfoto von der Familie, dann bringt uns Peter nach Budapest. Da wir bis zum Abflug noch 2 Stunden Zeit haben, sehen wir uns ein wenig die Altstadt von Buda an. Von dort oben hat man einen sehr schönen Blick über die Duna, also die Donau, mit Parlament und Matthäus-Kathedrale. Dann aber heißt es endgültig: Abflug! und ein erlebnisreicher Urlaub geht zu Ende.

Kössönöm =Dankeschön an Ralf für die reibungslose Organisation der Fahrt
und an Rob und Barbara und Peter für die schöne Zeit und viele Mühe
- wir werden noch lange davon erzählen.

 

Marianne Harborg